100 km in Biel: Die Mutter aller Ultraläufe
Start in die Dunkelheit – 22:00 Uhr
Die Atmosphäre am Start ist elektrisierend. Warm, trocken und eine perfekte Sommernacht. Um 22 Uhr geht es los, die Radbegleiter wurden eine Stunde vorher auf die Strecke geschickt und warten bei Kilometer 20. Ein beeindruckender Moment, wenn die Läufer durch Biel ziehen – und einige heizen los, als wäre es ein 10-km-Rennen! Ich halte mich zurück, versuche eine Pace von 5:30 min/km zu halten, auch wenn es schwerfällt. Wie erwartet sehe wir einige dieser "Sprinter" später wieder – zum Teil überholen wir die noch bei Kilometer 80.
Ab Kilometer 20: Gemeinsam durch die Nacht
Ab Kilometer 20 stosse ich zu Kerstin, die mich ab jetzt versorgt und die Strecke abwechslungsreich macht. Es läuft, und die Nacht verfliegt schneller als erwartet. Doch dann kommt er – der berüchtigte Ho-Chi-Minh-Pfad. Eine endlose Strecke am Kanal entlang, bei der es auf mentale Stärke ankommt. Kurz darauf dämmert es endlich.
Der Morgen graut – und der Kampf beginnt
Ab Kilometer 80 wird es richtig zäh. Die Muskeln schmerzen, jede Steigung fordert Tribut. Aber meine Pace- und Verpflegungsstrategie zahlen sich aus, und die Motivation bleibt. In den letzten 10 km heißt es: die Schmerzen wegdenken, Tempo halten! Kurz vorm Ziel gibt mir ein Musik-Boost die nötige Energie für den finalen Schub. Etwa 5 km vor dem Ziel sammeln wir einen Läufer auf, der fast im Gehen ist. Zusammen fühlt sich das Tempo schnell an – später auf dem Video sieht es allerdings erstaunlich gemächlich aus!
Ein Ziel mit Hürden – und ein Happy End
Die letzten Meter sind bittersüss: Kurz vorm Ziel wird Kerstin leider von überambitionierten Fans ausgebremst, und wir schaffen es nicht, gemeinsam die Ziellinie zu überqueren. Doch das Ergebnis ist ein voller Erfolg: Mit 9:48:39,3 habe ich mein Ziel, unter 10 Stunden zu bleiben, um mehr als 11 Minuten unterboten. Gesamtplatz 45 und Platz 10 in meiner Altersklasse (AK 50) – besser hätte es nicht laufen können.
Erholung und Fazit
Der 100 km in Biel hat seinen Ruf nicht umsonst. Doch trotz der Anstrengung fühlten sich die Schmerzen diesmal nicht schlimmer an als nach einem Marathon. Bereits zwei Tage später war wieder ein lockerer 6-km-Lauf drin. Ein grandioses Erlebnis vor allem auch weil ich meine bisherige Bestzeit von 2009 um fast eine Minute unterboten habe.