, Kaufmann Volker

Triathlon Karlsfeld

Vergangenen Sonntag startete ich in Karlsfeld auf der olympischen Distanz. Es war der erste Triathlon seit fast zwei Jahren und vor allem der erste längere Wettkampf seit meinen Knieproblemen im April. Deshalb hatte ich mich auch dazu entschieden, mein normales Rennrad statt dem Zeitfahrrad zu nehmen, um keine ungewohnte Belastung auf das Knie zu geben.

Die Nacht vorher war voller Träume, die vom Flaschen-Befüllen und Neopren-Ausziehen gehandelt hatten. Trotzdem fühlte ich mich relativ ausgeschlafen, als ich am nächsten Morgen um sechs meine Frühstücksnudeln löffelte.
Mein Papa und ich fuhren mit dem Rad nach Karlsfeld. Ich hatte schon meinen Zeitfahrhelm auf. So wurde ich wieder daran erinnert, wie man in dieser pinken Kugel seinen eigenen Atem verstärkt hört und sich fast erschreckt, wenn man hustet oder niesst.
Die Startunterlagen wurden geholt. Ich hatte die Nummer 112. Das hiess also, mindestens so schnell wie die Feuerwehr zu sein. Als ich den Sticker auf den Helm klebte, klebte da tatsächlich noch der Aufkleber von der WM in Lahti. Erst da realisierte ich, dass ich seitdem, also seit fast zwei Jahren, keinen Triathlon mehr gemacht hatte. Das sollte mir nicht nochmal passieren.
Ich checkte mein Fahrrad ein. Neben all den krassen Zeitfahrmaschinen sah es wirklich bescheiden aus. Zum Glück wusste ich noch ungefähr, wie man die Wechselzone einrichtet. Ich lief alles kurz ab, ging dann vor zum See. Ich machte mich etwas warm. Inzwischen waren auch alle anderen Freunde vor Ort.
Rein in den Neo, ein paar Bilder, ein paar Umarmungen, und dann lief ich auch schon zu all den anderen pinken Badekappen am See, der ersten Startgruppe.
Es war mein erster Massenstart seit Langem. Irgendwie hat sich in der Triathlon-Szene ja mehr der Rolling Start etabliert. Die 190 ersten Starter und Starterinnen rannten ins Wasser. Von aussen eine eindrucksvolle Darbietung, im Wasser ziemliches Chaos.
Ich kassierte ein paar Hiebe, mir zog es die Luft zu. Alle Aufregung war weg, der Kopf klar. Ich war überzeugt zu wissen, was das für ein Triathlon werden würde: ein langwieriger und ein langsamer. Mein linker Oberschenkelmuskel verkrampften sich leicht, sodass ich das Gefühl hatte, bei einer falschen Bewegung würden sie sich ganz zusammenziehen. Ich probierte, einen Rhythmus zu finden, und es wurde langsam aber sicher besser mit dem Unwohlsein.
Plötzlich schwamm einer mit einer solchen Wucht von links unter mich drunter, dass er mich auf die Schwimmerin rechts neben mir hob. Sowas ist mir im Leben noch nie passiert.
Bei jeder Boje wurde das Gedränge kurzzeitig stressiger und zwischenzeitlich machte ich mir Sorgen, weil ich den 500-Meter-Pieps meiner Uhr nicht gemerkt hatte. Hatte ich sie gestartet? Dann kam irgendwann der 1-km-Pieps und ich war beruhigt.
Auf der langen Geraden zum Ausstieg hielt ich mich rechts vom Pulk und hatte meine Ruhe. Ich überlegte mir dort schon Sätze für meinen Wettkampfbericht. Ich probierte noch etwas schneller zu schwimmen und redete mir ein, dass ich die Arme heute ja auch nicht mehr brauchen würde.
Nach 25 Minuten verliess ich das Wasser. Der Wechsel lief glatt. Ich kam gut aus dem Neo raus und schnell ging es auf die Radstrecke. Nach zehn Minuten war man auf der praktisch topfebenen Schnellstrasse. Mein Knie begann zu schmerzen und im 30-Sekunden-Takt zischten Männer auf ihren Zeitfahrrädern an mir vorbei.
Ich bereute es, das Rennrad genommen zu haben. Das Knie tat ja eh weh. Ausserdem meldeten sich irgendwann auch meine Arme, denn die  Pseudoaeroposition war ich nicht gewohnt. Ich teilte mir das Ganze ein, indem ich immer zwei Minuten Oberlenker und zwei Minuten Unterlenker fuhr.
Dann kam der Wendepunkt und entsetzt stellte ich fest, dass ich vorher Rückenwind gehabt hatte. Ich mühte mich ab, immer mindestens über 30 km/h zu bleiben.
Ich musste immer wieder meinen Helm hochschieben. Wenn er mir zu tief ins Gesicht rutschte, bekam ich schlecht Luft. Ausserdem versuchte ich, immer frisch auszusehen, wenn ich an meinen Eltern und Sofia vorbeifuhr, die mich kräftig anfeuerten. Irgendwann hatte ich das Gefühl, dass ich in jeder Richting Gegenwind hatte. Nach 1 Stunde 20 Minuten war das Radfahren endlich vorbei. Ein zweiter schneller Wechsel und ich wappnete mich für weitere Knieschmerzen.
Ich lief los, fühlte mich entgegen aller Erwartungen super und frisch.
Am Wendepunkt standen meine Eltern und Sofia. Auf dem Rückweg fuhren zwei Radfahrer trotz Absperrband unerlaubt und ahnungslos auf die enge Laufstrecke, obwohl viele riefen und pfiffen. Einer der Helfer tackelte sie wirklich kurz vor mir in den Graben. Was für ein Einsatz!
Die zweite Runde lief sogar noch besser als die erste. Ich konnte weiter anziehen und finishte mit einem Schlussspurt und einem Lächeln im Gesicht. Ich wurde herzlichst begrüsst. Ich war froh, es geschafft zu haben. Und zu meinem Erstaunen hatte ich 45 Minuten für die 10 Kilometer gebraucht.
Darauf war ich in Anbetracht des sehr bescheidenen Lauftrainings sehr stolz
Mit meinem Ergebnis war ich auf Platz 8 Overall und 2. in meiner Altersklasse.
So warteten wir das Ende des Rennens ab und sahen noch den sehr emotionalen Zieleinlauf der letzten Frau, bei dem ich mir eine Träne verdrücken musste. 
Dieser Tag hat mir wieder bewusst gemacht, was für ein toller Sport Triathlon ist. Nicht nur wegen seiner Vielseitigkeit. Triathlon bringt Menschen an ihre Grenzen und darüber hinaus. Vor allem aber bringt er sie zusammen. Danke an alle die an der Strecke standen, es hat mir dank euch so viel Spass gemacht!

Alva